Rotatorenmanschettenruptur

Autor:  Dr. med. Andreas Klonz

 

Sehnen übertragen die Kraft des Muskels auf den Knochen, bzw. auf ein Gelenk. Die bekannteste Sehne ist vielleicht die Achillessehne.

Die Sehnen, die das Schultergelenk von allen Seiten umgreifen nennt man ‚Rotatorenmanschette‘. Sie übertragen die Kraft von den umgebenden Muskeln und bewegen somit das Gelenk.

 

1. Die Sehnen und Muskel bewegen und ‚rotieren‘ das Gelenk.

2. Sie umfassen das Gelenk und dichten es komplett ab – wie es eine Manschette tut.

Der Name leitet sich von diesen beiden Funktionen her.

 

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Sehnen, die für die Bewegungen in verschiedene Richtungen zuständig sind.

Wie keine andere Sehne im Körper ist die Rotatorenmanschette einer Degeneration – einem Verschleiß – ausgesetzt. Bei vielen Menschen scheuert sie sich im Lauf der Jahre langsam durch und reißt schließlich. Dies kann langsam und fast unbemerkt geschehen, häufig aber auch im Rahmen eines Sturzes, der dann endgültig zum Riß führt.

Auch bei jüngeren Menschen kann die Manschette reißen – dann aber immer verursacht durch einen Unfall.

Das Bild zeigt eine Schulter mit der oben liegenden Supraspinatussehne. Diese ist hier fast komplett abgerissen und hängt nur noch an einem seidenen Faden. Davor verläuft die lange Bizepssehne.

Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Fa. Johnson&Johnson, Geschäftsbereich Depuy Synthes

 

Die Symptome der Rotatorenmanschettenruptur sind insbesondere Schmerzen und Kraftlosigkeit. Häufig sind bestimmte Bewegungen gar nicht mehr möglich. Die gerissene Sehne kann nicht von selbst wieder anheilen. Mit der Zeit können andere Muskeln den Ausfall etwas kompensieren. Meist wird aber eine Operation erforderlich, um die Sehne wieder am Knochen zu befestigen und damit die Kraftübertragung wieder herzustellen.

Für die Operation hat man nur ein eingeschränktes Zeitfenster. Wenn eine Sehne abreißt, hat der Muskel keine Funktion mehr und bildet sich immer mehr zurück – ähnlich wie ein Bein, dass längere Zeit im Gips ist. Irgendwann verfettet und vernarbt der Muskel und kann nicht mehr auftrainiert werden. Zudem zieht sich die abgerissene Sehne immer weiter zurück.

Die Operation dauert etwa 60 Minuten. In Vollnarkose wird die Sehne mit kleinen Ankern wieder am Knochen befestigt. Die OP erfolgt unter Videokontrolle (Arthroskopie) über kleine Hautschnitte. Die Anker verbleiben unmerklich im Körper.

Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Fa. Arthrex

Links: Einschrauben des Ankers an die Stelle des Knochens, an der die Sehne befestigt werden soll.

Mitte: Der Anker enthät Fäden mit denen dann die Sehne an den Knochen fixiert wird.

Rechts: Ein Beispiel der möglichen Fixation.

 

Nachbehandlung:

Die Sehne muss am Knochen festwachsen! Die Anker alleine halten der alltäglichen Belastung nicht stand. Bis die Sehne festgewachsen ist, muss man entsprechend vorsichtig sein. Der Arm wird 4 Wochen auf einem Tragekissen gelagert – wird aber täglich etwas bewegt und mit Krankengymnastik behandelt. Autofahren kann man insofern frühestens nach 5 Wochen, manchmal auch erst nach 2 Monaten. Faktoren der Genesungszeit sind die Größe des Risses und das Ausmaß, in dem sich Muskel und Sehne bereits zurück gezogen haben. Nach 3 Monaten sollte der Alltag wieder weitestgehend problemlos zu bewältigen sein. Größere Belastungen im Sport oder in der Arbeit sollten erst nach ca. 6 Monaten wieder zunehmend aufgenommen werden.